Schwefelbedarf in der Nutztierhaltung

Grünland benötigt genau wie Ackerkulturen eine Düngung mit Schwefel.

Es ist leistet einen wichtigen Beitrag zur gesunden Ernährung von Wiederkäuern. Selbst auf Flächen, auf denen Mist und Gülle ausgebracht werden, ist oft eine zusätzliche Düngung erforderlich.

In Großbritannien werden derzeit nur etwa 10 % des Grünlandes mit Schwefeldünger gedüngt. Schwefelmangel mindert jedoch den Ernteertrag und die Effizienz der Stickstoffverwertung. Er erhöht den Nitratverlust, und verringert den Zuckergehalt sowie die Verdaulichkeit des Grases*. Für Silage kultivierte Gräser sind besonders anfällig für Schwefelmangel.

Wie Ackerkulturen benötigt auch Grünland ein ausgewogenes Verhältnis von Stickstoff und Schwefel für seinen Proteingehalt. Ein Mangel an Schwefel führt zu geringeren Erträgen und zu einem höheren Gehalt an Nicht-Protein-Stickstoff im Futter (siehe Grafik).

GÜNSTIGER EFFEKT DER S-DÜNGUNG BEZÜGLICH DES NICHT-PROTEIN-STICKSTOFFGEHALTS IM ACKERGRAS
Quelle: Baker A.S. et al. Sulphur Inst J. 9(1), 14-16
Günstiger Effekt der S-Düngung bezüglich des Nicht-Protein-Stickstoffgehalts im Ackergras

Das landwirtschaftlichen Forschungszentrum IGER in North Wyke (heute Teil von Rothamsted Research, GB) hat Untersuchungen mit Silage durchgeführt. Trockenmasseerträge auf sandigen Lehmböden, die mit Schwefel gedüngt wurden, konnten bei drei Schnitten um 35 % gesteigert werden.** Die Nitratverluste wurden um bis zu 82 % gesenkt, während der Gehalt an reinem Protein und löslichen Zuckern in der Silage um 25 %, bzw. 30 % gesteigert werden konnte.

Vielleicht ist es sogar noch wichtiger, dass auch die Mikroben im Pansen das richtige Verhältnis von Stickstoff und Schwefel benötigen. Bei schwefelarmem Gras kann nicht dessen gesamter potenzieller Futterwert genutzt werden. Das bedeutet, dass die Verdaulichkeit des Futters reduziert, und ein Teil des Nährwerts verschwendet wird (siehe Abbildungen).

DIE TÄGLICHE ZUNAHME DER LEBENDMASSE VON LÄMMERN NIMMT ZU, JE BESSER DAS N:S-VERHÄLTNIS DES FUTTERS IST.
Quelle: Rendig and Weir, J. Anim. Sci. 16(2)
Die tägliche Zunahme der Lebendmasse von Lämmern nimmt zu, je besser das N:S-Verhältnis des Futters ist.

 

VERBESSERTES N:S-VERHÄLTNIS STEIGERT DIE VERDAULICHKEIT DES FUTTERS BEI MILCHVIEH
Quelle: Bouchard and Conrad, J. Dairy Sci. 56
Verbessertes N:S-Verhältnis steigert die Verdaulichkeit des Futters bei Milchvieh.

Schwefel aus Mist und Gülle

Wirtschaftsdünger enthalten erhebliche Mengen an Schwefel. Wenn sie frisch ausgebracht werden, können die Pflanzen große Mengen dieses Schwefels aufnehmen. Wenn Sie jedoch zwischengelagert werden, können anaerobe Bakterien das Sulfat zu Sulfid reduzieren, und zu organischen Komplexen verbinden. Diese Komplexfom ist für die Pflanzen vorerst nicht nutzbar, sie oxidiert jedoch allmählich wieder zu Sulfat.

Es gibt nur wenige verlässliche Daten über die tatsächliche Verfügbarkeit von Schwefel in gelagertem Mist. Er sollte deshalb eher als Mittel zur Pflege der Bodenreserven betrachtet werden, und weniger als ausreichende Nährstoffzufuhr für die aktuelle Kultur. 

*G Fisher, J Buss et al., 2011, Grassland Report, British Grassland Society, Großbritannien
**L Brown, D Scholefield, et al., 2000: The effect of sulphur application on the efficiency of nitrogen use in two contrasting grassland soils, Journal of Agricultural Science, Vol 135